Immoflash: Zittern nach gekipptem Brexit-Deal

 

Nachspielzeit, No Deal oder gar kein Austritt?

 

Dass die britische Premierministerin Theresa May mit ihrem Brexit-Deal vor dem Parlament scheitern wird, war abzusehen. Nicht abzusehen war allerdings, wie deutlich ihr mit der EU ausgehandeltes Austrittsabkommen gestern abgewürgt wurde. Mit 432 zu 202 Stimmen ließen die britischen Abgeordneten den Deal geradezu durchfallen, heute Abend muss sich May einem Misstrauensvotum stellen. Doch wie geht es weiter, nachdem die Uhr bis zum 29. März tickt?


Vor allem in der Immobilienbranche zeigt man sich eher ratlos. Denn unklar ist jetzt, ob es einen harten Brexit, nach einer Fristverlängerung doch noch einen Deal oder überhaupt gar keinen EU-Austritt gibt. Richard Lemon, Geschäftsführer der Danube Property Consulting und selbst Brite schätzt, dass May das heutige Misstrauensvotum überstehen wird und es zu einer Fristverlängerung kommen dürfte, bei der am Ende ein geregelter Austritt aus der EU herausschauen könnte: „Die wahrscheinlichsten Szenarien sind entweder ein Soft Brexit oder gar kein Brexit. Dass es zu einem ungeordneten Austritt kommen könnte, glaube ich allerdings nicht.“ Die Wahrscheinlichkeit eines neuen Referendums schätzt Lemon als nicht sehr hoch ein. Seinen Beobachtungen zufolge würden jetzt Investoren Exit-Pläne Richtung Kontinentaleuropa schmieden. Denn zahlreiche Investoren, die nach dem Brexit-Referendum in London gekauft hätten, hätten durchaus darauf gewettet, dass der Ausstieg doch nicht stattfinden dürfte. Und wenn es zu einem harten Brexit käme, dürften die Märkte einem empfindlichen Einbruch erleben.

Ebenso sieht es auch Karen Watkin, Portfoliomanagerin All Market Income bei AllianceBernstein (AB): Die größer als erwartet ausgefallene Niederlage der Regierung von Theresa May signalisiert den Anfang einer Entscheidung für die Brexit-Frage. Auch wenn das Abkommen, das May mit der Europäischen Union (EU) ausgehandelt hat, abgelehnt wurde: Die meisten Parlamentarier sind bestrebt, einen ungeregelten Austritt zu vermeiden. Damit sind ein geänderter Deal und sogar gar kein Brexit durchaus immer noch das realistischste Ergebnis.Mit gemischten Gefühlen betrachtet der gescheiterte Deal Franz Pöltl, Chef der EHL Immobilien Consulting: „Nach diesem Ergebnis wird es jetzt sicher einige Nutzer geben, die ernsthaft über einen Standortwechsel nach Kontinentaleuropa nachdenken, da deren Geschäftsmodell von Großbritannien aus nur noch schwer umsetzbar sei, wenn es zu einem ungeordneten Brexit kommen würde. Generell ist der Brexit ein Verlust für alle Beteiligten.“ Auch wenn auf einen regulierten Austritt hofft, dürfte der Brexit die Nachfrage nach Büro- und Wohnimmobilien angekurbelt werden. Da hätte auch Österreich gute Chancen: „Österreich könnte sich als guter Standort promoten, nachdem sich mehrere Unternehmen in Richtung EU orientieren“, so Pöltl.

(Quelle: Immoflash, Charles Steiner)

 

 

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